Wie gut, dass es Pfarrer gibt!

Heute, am Freitag, soll ja die dritte Auflage des Elektro-Race of Champions steigen. Startschuss um 15 Uhr vor dem K3N. Bei den ersten beiden Auflagen hatte ich mit meinem berühmten “grünen Frosch” ja ziemlich gut abgeschnitten, der jetzige Umweltminister Franz Untersteller mich bei der Premiere  zur seiner Zeit als einfacher Abgeordneter nur wegen eines technischen Defekts besiegt. So sehe zumindest ich es. Er wird natürlich das Gegenteil behaupten. Und letztlich wird die Sache auf ewig ungeklärt bleiben. Ist aber letztlich auch ziemlich Wurst.

Wichtiger ist, dass ich mit meinem neuen Gefährt zurecht komme – jenem Testroller, mit dem ich in den nächsten Wochen unterwegs sein werde, um die Hochschule Osnabrück eruieren zu lassen, was solch ein Vehikel denn wirklich leisten kann. Schon ein paar Tage zuvor habe ich ihn bei den Nürtingen Stadtwerken abgeholt, und nun möchte ich mich an ihn eben nicht nur auf der kurzen Fahrt zwischen Wohnung und Büro gewöhnen, sondern auch auf einer längeren Strecke.

Unser Pressestammtisch am Mittwoch in Schlaitdorf scheint mir da ein idealer Anlass zu sein. Vorher noch kurz zu meinem Enkel Levi nach Neuenhaus, danach den Berg hoch ins Fleckenstüble – das wäre doch ein geradezu ideales Profil. Als ich am Verlagsgebäude losfahren, hat der Roller gerade mal 45 Kilometer auf dem Tacho, versprochen ist eine Reichweite von “bis zu 100″ – das muss doch locker reichen!

Typischer Fall von denkste! am Oberensinger Buckel schwächelt mein fahrbarer Untersatz schon deutlich. Ich denke mir nicht groß was dabei. Da geht es eben ziemlich steil zu. Wird schon werden.

Und es wird schon – aber immer schlimmer. Am Seerosenteich unterhalb von Hardt schaffe ich gerade noch Tempo 25, am Wander-Parkplatz Föllbach nur noch rund zehn weniger. Dann muss ich zweimal rechts ran und die Zündung ausschalten, damit die Batterie sich etwas erholen kann. Und dann schleiche ich im Schritttempo nach Grötzingen hinein.

“Hat der nur so viel drauf oder kann der auch schneller?”, fragt mich eine nette Frau, die mich mit ihrer Tochter zu Fuß überholt hat. Ja, er kann. Sofern er noch Saft hat. Sonst aber nicht.

Gibt es bei Euch in Grötzingen eine Stromtankstelle? “Ja schon, aber leider droben auf dem Berg. Am Schützenhaus steht, dass man da seine Elektro-Gefährt aufladen kann.” Ein guter Typ für alle, die dieses Blog lesen, also. Vielen Dank nochmal dafür! Aber im Moment nutzt mir das herzlich wenig.

Ich peile die Lage. Wenn ich jetzt nach links einbiege, verläuft die Straße an der Schule vorbei recht eben. So könnte ich es vielleicht zum Pfarrhaus schaffen. Und vielleicht hat Pfarrer Joachim Schilling eine Steckdose für mich frei und gibt mir Strom-Asyl.

Er ist zwar nicht da. Aber seine Frau. Und die zögert keine Sekunde: “Klar!” Sie bringt sogar ein Verlängerungskabel. Vor der Tür des Pfarrhauses kann ich meinen blauen Flitzer abstellen und aufladen.

Strom-Asyl am Pfarrhaus in Grötzingen

Aber die Zeit läuft mir davon. Es ist 18.15 Uhr, und nach Schlaitdorf schaff ich das trotz meiner Passion fürs Wandern wohl nicht. Aber Zeitungsleute sind flexibel. Ich rufe Senner-Geschäftsführer Christian Fritsche an, der verlegt seine Route und holt mich ab, und wir bestreiten gemeinsam den Termin.

Als er vorbei ist, wird es mir doch etwas mulmig. Ist die Batterie wieder so fit, dass ich nach Hause komme? Erwin Fritz, der Vertrauensmann des Albvereins, beruhigt mich: “Wenn es nicht klappt, komm ich mit dem Traktor! Keine Sorge!” Glücklich ist, wer solche Leser hat!

Der Traktor muss dennoch nicht ausrücken.In erstaunlich kurzer Frist hat der Roller neue Kraft getankt. Ohne jegliche Probleme komme ich daheim am Neckar an.

Und ich denke mir: Wie gut, dass es Pfarrer gibt! Sonst wäre gleich meine erste Testfahrt zu einer Pleite vom Feinsten geworden.

Schau mr mal, wie es heute  weiter geht!

 

Posted from Nürtingen, Baden-Wurttemberg, Germany.