Eine Tour durch den Schönbuch

Ein bißle mulmig war es mir schon: Bei meiner Fahrt zum Pressestammtisch in Schlaitdorf hatte ich ja mit meinem Elektro-Roller eine ziemliche Pleite erlebt und im Pfarrhaus in Grötzingen um Elektro-Asyl bitten müssen. Aber auf der anderen Seite will ich das nicht auf mir sitzen lassen. Also versuchen wir es aufs Neue. Zumindest bis zu meiner Tochter Annika und deren Familie, die seit kurzem in Neuenhaus lebt, will ich es schaffen. Da könnte ich, wenn Not am Rollerfahrer ist, mein Vehikel sicher wieder aufladen.
Aber alle Befürchtungen erweisen sich als grundlos:diesmal schafft mein blauer Flitzer den Oberensinger Buckel, wo er einige Tage zuvor heftig geschwächelt hat, völlig ohne problemlos, durchs Aichtal fliegt er nur so dahin.
Mein Enkel Levi ist kurz vor seinem ersten Geburtstag zwar schon ein richtiger Motor-Fan. Aber im Moment erregt der Bagger hinterm Haus bei ihm wesentlich größere Aufmerksamkeit als dieses komische blaue Ding, das nur zwei Räder hat und zudem keinerlei Geräusche von sich gibt. Naja, ich werde ihn schon noch überzeugen.
Daß alles so gut geklappt hat, macht mich regelrecht euphorisch. Als Levi sich in Bett begibt, will ich es wissen. Ich drehe nicht um, sondern fahre weiter – der Quelle der Aich entgegen. Und feiere Premiere: zum ersten Mal überschreite ich mit einem Elektroroller die Kreis-Grenze. Das hab ich mir auch nicht mit meinem beühmten grünen Frosch getraut.
Nun steht auf den meisten Auto-Nummernschildern BB, und schnell bin ich in Waldenbuch -dem kleinen Städtchen, das mich schon begeistert hat, als ich den ersten VVS-Wanderführer schrieb. Das lohnt immer einen Ausflug. Nicht nur wegen des Museums für Alltagskultur im einstigen Schloss oder dem Museum Ritter mit seiner modernen Kunst, sondern allein schon wegen des idyllischen Ortskerns.

Abendstimmung am Marktplatz von Waldenbuch

Auf dem Marktplatz mache ich nahe dem Rathaus aus dem 16. Jahrhundert, das lange das Gasthaus zum Rappen war und in dem nun Bürgermeister Michael Lutz residiert, dem im vergangenen Jahr Ambitionen auf den OB-Sessel in Nürtingen nachgesagt wurden, und der Stadtkirche St. Veit, deren Ostgiebel ein beeindruckendes Zeugnis der Renaissance in schwäbischen Landen ist, mache ich eine kleine Pause.
“Eigentlich will ich nicht denselben Weg zurück”, denke ich mir. Schon seit dem Kampf gegen den Hochwasserdamm im Schaichtal, dessen Bau mit Hilfe des damaligen Regierungspräsidenten Manfred Bulling verhindert werden konnte, bin ich ein Fan des Schönbuch – eines (auch im Nürtinger Raum) leider allzu oft verkannten Naturparks, der heuer ins Schwabenalter gekommen ist.
Den will ich noch eine Weile genießen, und deshalb entscheide ich mich dafür, auf die Straße Richtung Tübingen einzubiegen. Und bin baff erstaunt: Da geht es ganz schön bergauf, aber der Roller schafft fast immer die Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h. Wohlgemerkt: Ohne Vollgas, das für die Batterie pures Gift ist.
Nach Dettenhausen ist die Straße Richtung Bebenhausen gesperrt. Das nimmt mir die Entscheidung ob, ob ich auch noch die Klosterruine bei dieser Testfahrt aufsuchen soll.
Jetzt krieg ich die Kurve zurück, genieße das herrliche Grün in der Abendsonne. Der Schönbuch gibt sein Bestes für mich, und auch, als ich den Wald verlasse, ist der Blick auf den Albtrauf (den man natürlich auch mit dem Rad gemieden kann) einfach überwältigend!
Und im Verglich zum Auto eher gemächlichen Tempo fällt mir auch auf, wie viele schöne alte Häuser es zum Beispiel in Walddorf gibt.

An der Wendelinskirche in Schlaitdorf

generic viagra In Schlaitdorf muss ich natürlich anhalten. Ich schaue auf die spätgotische Wendelinskirche, in der sich ein kleines Fenster mit einem glutroten Herz befindet, das mich immer wieder berührt. Zurecht bezeichnet sich das Dorf als “Gemeinde mit Herz”, denke ich mir.
Mein Roller zieht immer noch so gut, dass ich spüre: Nun kann mir nicht mehr viel passieren.
Was jetzt kommt ist pure Kür, ist pure Lust. Die einstige Rumpelstrecke Richtung Neckartailfingen präsentiert sich im besten Zustand, im Neckartal nehme ich das Kreissträßchen der Bahnlinie entlang, und vor der Bahnbrücke hab ich keinen Bock, den kürzten Weg heim über Neckarhausen zu nehmen. Ich gebe mir selbst eine Zugabe, fahre (wieder ohne jede Probleme) das Steilstück gen Raidwangen hinauf und am Rammerthof und dem Großen Forst vorbei wieder nach Nürtingen.
Eigentlich schade, dass es schon so spät ist. Ich wäre gern weitergefahren.
Aber 52 Kilometer sind ja auch schon was. Zumal mein Roller heute vor Kraft nur so strotzt.

Posted from Schweinfurt, Bayern, Germany.