Gerhard groß in Fahrt – ins Lechtal

Ein Top-Spezialist in Sachen Alpenpässe – das ist mein Elektroroller-Mitstreiter Gerhard Keppeler mittlerweile geworden. Gefühlt gibt es kaum einen, den er noch nicht bezwungen hätte. Und so konnte er nach der Nacht in Pfunds es wohl kaum erwarten, bis es wieder losging.

Über die Bezoirkshauptstadt Imst nahm sich der Neckarhäuser das Hahntennjoch vor, das ja gerade unter Motorradfahrern einen nachgerade legendären Ruf besitzt. Auf bis zu 18,9 Prozent Steigung kommt diese Strecke, und das schafft ein Elektroroller nicht so ohne Weiteres. Das wissen ja auch die Teilnehmer der Sommertour von Zetiung und Bürgertreff im vergangenen Jahr, als es mit dem Bus auf die Passhöhe ging, um von dort zur Anhalter Höhe und dann wieder hinunter ins Namloser Tal zu wandern.

Die Straße freilicht verläuft anders.Über Boden nach Bschlabs, wo nicht nur die Wallfahrtskirche Maria Schnee zur Einkehr lockt, sondern auch ein höchst bemerkenswerter Weg der Sinne mit vielen Impulsen für die Seele.

Und der Seele tut auch der Naturpark Lechtal gut, in den Gerhard dann hinunter rollte. Der Lech ist nämlich einer der letzten echten Wildflüsse der Alpen, in denen das Wasser den Schotter hin- und herschiebt und nach jeder Schneeschmelze neue Naturbilder erzeugt.

Dort, wo die Straße ins Tannheimer Tal abzweigt, schlug Gerhard dann für fünf Tage sein Standquartier auf: in Weißenbach. Nach 104 Kilometern an diesem Tag.

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Gerhard groß in Fahrt – über das Stiflser Joch

here Höher geht es kaum noch. Nur noch in Frankreich. Am Col de l’Iseran in Frankreich. Dieser Gebirgspass  ist 13 Meter höher als das Stilfser Joch mit seinen 2757 Metern. Aber das ist so gut wie nichts.

Vom österreichischen Kaiserreich wurde die Straße 1820 bis 1826 gebaut, um Tirol möglichst schnell mit den norditalienischen Gebieten zu verbinden. Die Lombardei zählte damals ja zum Reich der Habsburger. Auch im Ersten Weltkrieg spielte dieser Gebirgskamm Kamm eine große Rolle, verlief hier doch die (weitgehend unbewegliche) Alpenfront. Einige Militärstellungen aus dieser Zeit dürfte mein Elektroroller-Mitstreiter Gerhard Keppeler gesehen haben, als er sich vom Südtiroler Vinschgau aus die 48 Kehren hochkämpfte.

Und diese Tour war einer Königsetappe durchaus würdig. Geduld brauchte der Neckarhäuser dabei sicher. Denn sein Emco hatte einiges zu leisten. Nicht ohne Grund führt der Giro d’Italia, das zweitberühmtesten Radrennen der Welt des Öfteren über diesen anspruchsvollen Pass.

Und Gerhard meisterte das schier Unglaubliche: Er schaffte es, vorbei am Berghotel Franzenshöhe, dessen Name  noch an die Zeit der Habsburger erinnert, hinauf zur Passhöhe. Das machte ihm wohl so richtig Laune. Denn gleich danach nahm er sich den Umbrailpass vor – mit 2501 Meter ja auch kein Kinkerlitzchen. Da geht es immerhin um den höchsten Gebirgspass der Schweiz.

Wie schon vorher (mit dem Blick auf den Ortler) konnte der Nürtinger auch hier eine herrliche Landschaft genießen – nicht ohne Grund deklarierten die Eidgenossen die Landschaft ums Münstertal und den auch von Gerhard Keppeler bezwungenen Ofenpass (auch er stolze 2149 Meter hoch) zum Schweizer Nationalpark, in dem die Natur sich ohne Einfluss des Menschen entwickeln kann. Nur ein paar Straßen oder Wanderwege führen da durch. In Zernez, dem Graubündner Ort, in dem Gerhard wieder das Tal erreichte, erzählt ein interessantes Museum über die Vielfalt der Pflanzen und Tiere dort.

Zu Übernachtung zog es Gerhard dann doch wieder den Inn entlang Tirol: Nach 145 Kilometern stellte er in Pfunds seinen Roller ab. Verdiente Ruhepause für beide.

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